Die digitale Gesellschaft: Praktische Beispiele für einen unterschiedlich fortgeschrittenen Prozess KMU Digitalisierung Schweiz
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Die Welt um uns herum ist in zahlreiche unterschiedliche Segmente unterteilt. Und obwohl die Digitalisierung in nur wenigen Bereichen gar keinen Einzug gehalten hat, so lässt es sich dennoch kaum von der Hand weisen, wie gross die nach wie vor bestehenden Unterschiede sind. In einigen Lebensbereichen ist der Wandel bereits weit fortgeschritten, in anderen schlummert noch viel Potenzial. Die digitale Gesellschaft kommt und es ist wichtig, dass wir uns jetzt damit auseinandersetzen.

Lesen Sie auf den folgenden Zeilen, welche Bereiche nicht zuletzt für Unternehmer noch viel Entwicklungspotenzial bedeuten, um sich mit neuen Produkten zu betätigen.

Wo die Digitalisierung der Gesellschaft bei uns und in anderen Ländern noch Nachholbedarf hat

Hier sind vier Beispiele für Unternehmer, die ständig auf der Suche nach neuen Feldern sind, in denen sich die Digitalisierung weiter vorantreiben lässt.

Schule Die digitale Gesellschaft KMU Digitalisierung

Schule – Wo die Digitalisierung der Gesellschaft bei uns und in anderen Ländern noch Nachholbedarf hat – Bild: Adobe Stock © undrey # 282052671

1. Schulen und Bildung

Wie gut – oder schlecht – verschiedene Programme in Ländern zur Digitalisierung von Schulen und Hochschulen waren, wurde mit dem Beginn der Pandemie wahrhaft gnadenlos aufgedeckt. 

Auch wir in der Schweiz hatten damit sicherlich an manchen Stellen gewisse Schwierigkeiten. Insbesondere im direkten Vergleich mit Deutschland zeigte sich jedoch, wie die seit einigen Jahren angeschobenen Massnahmen weiter fortgeschritten und nicht zuletzt zielführender waren.

Jedoch: Dies hier ist kein Ländervergleich. Auch wir sind trotz einiger Erfolge noch weit davon entfernt, ein Schulwesen zu besitzen, das so digitalisiert ist, wie es sinnvoll und möglich wäre. Denn nach wie vor ist der gesamte Unterricht geradezu beklagenswert analog aufgebaut. 

Nun wird der Lernerfolg zwar sicherlich nicht automatisch grösser, nur weil die Schüler auf Tablets statt aus Büchern lernen. Dennoch müssen Sie hierbei nicht zuletzt einen Blick auf Lebensrealitäten werfen: 

Wer heute zur Schule geht, der ist in jeglicher Hinsicht ein „Digital Native“ und wuchs komplett mit digitalen Techniken auf. Wenn solche jungen Menschen nun durch digitalen Nachholbedarf gezwungen werden, auf eine Weise zu lernen, die sich von derjenigen in den 1990ern kaum unterscheidet, dann führt das an der Lebensrealität vorbei. 

Die Schüler müssen sich aus ihrer digital geprägten in eine stark analoge schulische Welt umstellen – und lernen so mitunter deutlich weniger effektiv, jedoch weniger anstrengungsfrei, als es in einem stärker digitalisierten Schulwesen der Fall wäre. Was beim Schulwesen gilt, gilt im übrigen auch bei vielen KMU. Hier sollte die digitale Wissensvermittlung nicht vernachlässigt werden, damit das Know-how im Betrieb bleibt und nicht mit den Mitarbeitern oder dem pensionierten Firmengründer abwandert.

2. Polizeiarbeit

Dass sich digital begangene Verbrechen nur ebenso digital aufklären und bekämpfen lassen, dürfte wohl nicht überraschen. Allerdings ist die Polizeiarbeit jenseits derartiger Straftaten in vielen Ländern immer noch von einem sehr hohen analogen Anteil geprägt.

Die Schweizer Polizei nutzt bereits seit 2015 landesweit das digitale „Polycom“-Funksystem und deren Kollegen in Deutschland bereits in mehreren Bundesländern das sehr leistungsfähige System „VIS-Polizei“. Es fasst die komplette digitale Aktenführung und Vorgangsbearbeitung auf einer Plattform zusammen. Dadurch wird das gesamte Prozedere, das bei jeder Art von Polizeiarbeit anfällt, enorm vereinfacht und beschleunigt.

Von diesen beiden positiven Beispielen abgesehen ist Polizeiarbeit in vielen Staaten jedoch digital unterentwickelt. Das ist nicht zuletzt deshalb eine europaweite Herausforderung, weil immer mehr analoge Straftaten eine gewisse digitale Komponente beinhalten – etwa durch Handys gelieferte Standortdaten oder auf digitalen Geräten basierende straftatvorbereitende Tätigkeiten. Ferner fehlt es nach wie vor bei vielen Polizeistellen an alltäglichen Komponenten wie etwa kompakten Laptops im Streifenwagen – vor allem mit sicheren Betriebssystemen und Apps bestücken Dienst-Handys.

Und selbst, wo es solche Geräte gibt, können die Polizeien oft aus Kostengründen nicht der schnelllebigen Entwicklung folgen. Daher selbst „moderne“ Techniken bei genauerer Betrachtung veraltet.

3. Politische Partizipation

Wenn Sie ein schweizerischer Unternehmer sind, dann dürfte Ihr letzter Gang zur Wahlurne nicht allzu weit zurückliegen. Wohlgemerkt zu einer analogen Wahlurne, in die Sie Ihren Stimmzettel einwerfen mussten. 

Das könnte theoretisch und praktisch durchaus anders laufen. In vielen anderen Nationen sind Wahlen längst deutlich stärker digitalisiert, etwa in 

  • Australien
  • Belgien
  • Brasilien
  • Estland
  • Indien (die grösste Demokratie der Welt)
  • Philippinen
  • USA

Die Vorteile solcher Systeme beginnen bei leichter auszuwertenden digitalen Abstimmungen und enden bei Wahlen, die über sichere Identifikationsmerkmale und Programme ähnlich komfortabel von zuhause durchgeführt werden können, wie der Kauf einer neuen Bluse. 

Digitalisierung Schwachstelle Politische Partizipation KMU Digitalisierung Schweiz

Politische Partizipation, Schwachstelle der digitalen Gesellschaft – Bild: Adobe Stock © joyfotoliakid # 294333007

 Nach einem 2019 beendeten Testbetrieb in zehn Kantonen herrscht seitdem wieder grosses Warten, um eine „Neuausrichtung des Versuchsbetriebs der elektronischen Stimmabgabe zu eröffnen“ – in anderen europäischen Nationen hat noch nicht einmal der Expertendialog begonnen. Was keine Entschuldigung sein sollte, um in der Schweiz beim Thema politische Partizipation die digitale Gesellschaft rasch voran zu treiben.

4. Gesellschaftliche Fähigkeiten

Mehr als 97 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer besitzen ein Smartphone. Gut möglich, dass Sie selbst diese Zeilen gerade auf einem lesen. Die Anzahl der aktiven Internetnutzer beträgt 8,57 Millionen und entspricht damit sogar praktisch der Gesamtbevölkerung. 

Es dürfte wohl kaum jemanden geben, der nicht mehr – wenigstens gelegentlich – seine Nachrichten digital konsumiert, Clips auf YouTube schaut oder sogar seinen gesamten TV-Konsum nur noch über das Internet abwickelt. Erneut gilt: In den meisten anderen Staaten um uns herum sieht es ganz ähnlich aus.

Bloss: Reicht das, um eine digital fähige Gesellschaft zu erschaffen oder doch nur eine Gesellschaft von digitalen Konsumenten? Tatsächlich ist für viele Experten letzteres der Fall. Sie sehen in vielen westlichen Ländern eine ungesunde Tendenz: Die Menschen nutzen zwar viele digitale Produkte, vielfach verstehen sie diese jedoch nicht einmal anzuwenden. Hochproblematisch, denn diese Tendenz wird umso stärker, je jünger die beobachtete Zielgruppe ist.  

Doch was heisst das? Es heisst, wir befinden uns immer mehr in einer Welt, die wir nicht wirklich verstehen. Zugegeben, um einen Computer effektiv nutzen zu können, wird nicht das gesamte Wissen über die Funktionsweise benötigt – ähnlich wie ein Autofahrer nicht sämtliche Systeme seines PKW verstehen muss. 

Die Herausforderung besteht jedoch trotzdem. Sie zeigt sich überall dort, wo es um komplexere digitale Systeme geht. Nicht alles kann mit derselben Einfachheit gestaltet werden wie eine typische Social-Media-App. Unter anderem das deutsche Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sieht bereits bei jungen Menschen eine grosse Lücke; etwa dann, wenn die Eltern nicht in MINT-Berufen arbeiten.

Digitale Gesellschaft geht über Bildung

Hierbei verbinden sich die gesellschaftlichen Fähigkeiten mit dem Thema Bildung: Beides muss Hand in Hand gehen. Andernfalls droht vielen Staaten eine Zukunft, in denen sich eine digitale Elite herausbildet, deren Produkte nur von wenigen Konsumenten durchschaut werden. Und Unverständnis erzeugt bei vielen bekanntlich Feindseligkeit und Ablehnung. Es gibt noch einiges zu tun auf dem Weg zur digitalen Gesellschaft. Packen wir’s an!

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