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Als Stil der Unternehmensführung ist Ambidextrie die Einheit aus Exploitation und Exploration. Was bedeutet das für KMU? Wie funktioniert Ambidextrie?

Wenn eine Person im englischen Sprachraum “ambidextrous” ist, spricht man auf Deutsch von Beidhändigkeit. Die sogenannte Ambidexterity bezeichnet bei Menschen, dass beide Seiten gleich stark ausgeprägt sind und bei Objekten, dass sowohl Links- als auch Rechtshänder das Design gleichermaßen nutzen können. Doch was bedeuten linke und rechte Hand in Unternehmen?

In der Unternehmensorganisation bezeichnet der Term “Organizational ambidexterity” einen Organisations- und Führungsstil. Organisationale Ambidextrie umfasst alle Maßnahmen in Unternehmen, welche den Istzustand der Faktoren der Gewinnschöpfung in der Gegenwart mit der Flexibilität beim Erreichen zukünftiger Ziele vereinen. Also die Gegensätze wie rechte und linke Hand vereinen oder ausbalancieren.

Wie kann diese Zweigleisigkeit erfolgreich sein?

Ambidextrie als Führungsstil

“Um auch weiterhin zu den besten Anbietern unserer Branche zu gehören, werden wir das Kerngeschäft stärken und die Qualität der Produkte weiter als Herzensangelegenheit behandeln. Ein weiterer Fokus dient der Entwicklung und Innovation unserer Angebote, welche wir mit einem neuen Programm für Innovation und Produktivität weiter fördern möchten.”

So könnte das Prinzip der Ambidextrie und die beiden Grundlagen des Ansatzes in einem Unternehmensreport zum Ausdruck gebracht werden. Unternehmen stehen vor einer wichtigen Aufgabe, die internen und externen Prozesse mit Blick über den Tellerrand erfolgreich in die Zukunft zu entwerfen.

Dazu zählen nicht nur geplante und absehbare Änderungen am Markt, wie auch die Corona-Pandemie uns gelehrt hat. Ambidextrie bezeichnet mehr als die gut klingenden Worte der Firmenphilosophie oder der Einleitung eines Annual Reports. Sie ist der Kern der Flexibilität und Fähigkeit eines Unternehmens, auf aktuelle und auch drastische Änderungen der Situation zu reagieren.

Ambidextrie Definition

Die Disziplin der Ambidextrie Unternehmensführung beinhaltet alle Maßnahmen, Führungsstile und Methoden, welche die Rolle des Unternehmens mit allen wirtschaftlichen Maßnahmen zur Gewinnmaximierung in der Gegenwart (Exploitation) und die flexiblen und innovativen Ansätze, welche eine gute Stellung in der Zukunft am Markt sichern (Exploration).

Ein Beispiel: Tesla baut hochwertige Elektroautos, um die Stellung am Markt zu behaupten und setzt dabei auf hochwertige Fahrzeuge, welche bei einem besonderen und doch großen Klientel beliebt sind und dadurch den kurzfristigen Kundenwunsch erfüllen (Exploitation).

Dabei darf langfristig davon ausgegangen werden, dass das Unternehmen besonders Ziele der Langlebigkeit der Produkte verfolgt, da Tesla in Zukunft Gewinne aus effizienten, autonomen Taxiflotten als Unternehmensziel fokussiert, welche den langfristigen Kundenwunsch bedienen (Exploration).

Das Prinzip oder System der Ambidextrie zieht sich durch verschiedene Teile des Unternehmens. Dabei werden Ansätze gefunden, die manchmal gewisse Gegensätzlichkeiten vereinen, eben wie bei der Einheit aus Rechts- und Linkshändigkeit.

Dazu gehört beispielsweise ein schließender, autoritärer top-down Führungsstil (Exploitation), der gleichzeitig offen, modern und involvierend (Exploration) ist.

Ambidextrie Führungsstil

Organisationale Ambidextrie: Exploration und Exploitation

Die beiden Grundprinzipien Exploration und Exploitation könnten das Beste aus alter und neuer Welt gesehen werden. In einigen Bereichen, wie beispielsweise bei der Personalführung, geht es darum, eine Einheit zu finden und eine Balance aus den beiden Stilen herzustellen, die sich gegenseitig nicht ausschließen darf.

In anderen Bereichen wie der Produktinnovation bedeutet Zweigleisigkeit eine Gegensätzlichkeit, die einfach Arbeit an verschiedenen Punkten erfordert. Um beim Beispiel aus der Autoindustrie zu bleiben:

Viele Autohersteller bauen Modelle mit Verbrennungsmotoren und setzen auch nach wie vor auf die Innovation des alten Antriebs, um die aktuellen und kurzfristigen Kundenwünsche abzudecken, die Stellung am Markt zu behaupten und im aktuellen Geschäftsjahr Gewinne zu generieren. Diese Exploitation allein genügt allerdings nicht, um in Zukunft erfolgreich zu bleiben.

Das mussten viele der deutschen Autohersteller in den letzten Jahren erkennen. Jahrelang wurden innovative Gedanken, Entwicklungen im Bereich der Elektroautos und auch der autonomen Fahrzeuge verschlafen. Nun erfordert es großer Sprünge und innovativer Entwicklungen, um sich auch langfristig am Markt zu behaupten (Exploration). Dafür muss parallel zu alten Konzepten an neuen gefeilt werden.

Wie funktioniert Ambidextrie-Organisation?

Der Grundsatz der Ambidextrie in Unternehmen wird durch Vorgänge der Prozessoptimierung vorangetrieben. Der Entwurf vom Ist- in den Sollzustand erfolgt nach guten Analysen der Voraussetzungen, Möglichkeiten und Ziele sowie Analysen des Marktes.

Bei der Ambidextrie Organisation in Unternehmen spricht man in diesem Zusammenhang auch von sechs Säulen.

Sechs Säulen der Ambidextrie

1. Unternehmensführung und Unternehmenskultur

Die Welt befindet sich in einem stetigen Wandel. Der Wandel der Werte in der Gesellschaft, digitale Strategie und Disruption, Verhalten der Zielgruppe oder technische Möglichkeiten und Gesetze. Verantwortlich für die grundlegende Unternehmenskultur ist an der Spitze die Unternehmensführung bzw. der CEO eines Unternehmens. Ambidextrie wird mit Kommunikation erreicht, sei es eine Aussage zur geplanten CO2-Neutralität oder eine neue Richtlinie der Kommunikation gegenüber Kunden des Unternehmens.

Dabei ist die Aufgabe der Ambidextrie in der Führung von oben nach unten zu dirigieren (Top-Down) und für Bestrebungen und Feedback aus dem Management bzw. dem Controlling oder auch der Mitarbeiter (Meinungen aus Umfragen etc.) offen zu sein.

2. Angestellte und Fähigkeiten

Wie soll ein Angestellter des Unternehmens in seiner Position und im Rahmen seiner Aufgaben effektiv arbeiten und plötzlich in der Lage sein, neue Aufgaben zu übernehmen oder in der Hierarchie aufzusteigen?

Sich im Aufgabengebiet und der Hierarchie beweisen und durch Bildung und neue Verantwortungen aufzusteigen, ist ein in Deutschland erprobtes System. Mitarbeitern sollten klare Stellenbeschreibungen und durch Manager definierte Ziele dabei helfen, ihre Zuständigkeiten und Befugnisse zu kennen, doch der Weg nach oben sollte durch Bildungsmaßnahmen und die Unterstützung nach dem Beweise der Kompetenz offen sein.

3. Organisations- und Führungsstruktur

Strukturelle Änderungen sind kompliziert. Strukturen ergeben sich oft aus vielen Jahren der Praxis und umfassen je nach Größe des Unternehmens zahlreiche Mitarbeiter. In ein eingefahrenes System die nötige Flexibilität zu implementieren, kann als unlösbare Aufgabe erscheinen.

Beginnen kann man beispielsweise damit, Mitarbeitern gelegentlich neue Aufgaben zu geben oder diese in Gruppen an Projekten arbeiten zu lassen, – was wiederum Aufgaben des Teambuildings entstehen lässt.

Eine Struktur zu schaffen, die stetige Leistung bringt und flexibel auf Änderungen reagiert, erfordert in größer werdenden Unternehmen kompetente Verantwortliche, motivierende Manager und aufgeweckte Angestellte. Ein Gleichgewicht aus internen und externen Mitarbeitern oder auch der Zusammenarbeit mit innovativen Start-ups kann gelegentlich für frischen Wind sorgen und Inputs liefern. Das Rezept für die Implementierung der Ambidextrie in KMU und größeren Unternehmen ist oft individuell zugeschnitten.

4. Prozesse und Methoden

Stabile Prozesse und Methoden zu verfestigen, diese zu analysieren und stetig nach Möglichkeiten der Verbesserung und auch neuen Möglichkeiten zu suchen, ist manchmal eher ein “das Alte ablösen” als die Einheit aus zwei Gegensätzen.

Dabei können bestimmte Kernprozesse, die das Geschäft am Leben halten, weiter bestehen, während am Rand kleine Änderungen für eine Optimierung der Geschäftsprozesse sorgen. Aufgabenteilung zwischen etablierten Prozessen, Methoden und der Suche nach neuen Möglichkeiten sind hier ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Ambidextrie.

5. System und Methoden

Aufgabe des Controllings ist es, mit vorhandenen internen und externen Daten aus analogen und digitalisierten Prozessen, Abläufe und Methoden oder Werkzeuge kritisch zu hinterfragen und Möglichkeiten aufzuzeigen.

Ohne die wichtigen Aufgaben des Monitorings, der Analyse und Suche nach Verbesserungen der einzelnen Abläufe fehlt die Vogelperspektive auf das Unternehmen. Um diesen Prozess zu vereinfachen, kann die Digitalisierung für die Gewinnung von Daten einen wichtigen Dienst für die Ersparnis und Effektivierung der Abläufe schaffen.

6. Enterprise Performance Management (EPM)

Optimierung der Leistungserbringung ist ein elementarer Schritt, um auf Basis der Unternehmensstrategie zu Erfolg zu kommen. Auch die Automatisierung der Abläufe, besonders der Nicht-Wertschöpfenden, und das EPM selbst sind permanent Gegenstände der Optimierung des Istzustandes und der Hinführung in den Sollzustand.

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